Ich bin trotzdem der Auffassung, dass die Klärung der Anliegen der Bürger die Aufgabe der gewählten Vertreter ist, nicht der Bürger selbst. Also Politiker und Behörden sollen sich mit Tesla um den Wasserverbrauch streiten, nicht die Anwohner. Bürger haben im Normalfall einen sehr kleinen regionalen Blick, der außerdem nicht alles beinhaltet. Nehmen wir das Beispiel Windparks. Wenn du die Bürger von Buxtehude fragst, ob in Deutschland mehr Windräder gebaut werden sollen, wird die Mehrheit vermutlich mit ja stimmen. Wenn du sie fragst, ob in ihrer Gemeinde Windräder gebaut werden sollen, werden die meisten mit nein stimmen. Es wäre aber auch einfach zu kurz gedacht, nur die ansässigen Bürger zu befragen. Der Strom wird im europäischen Verbundnetz schlussendlich durch ganz Europa verbraucht. Wenn du jetzt alle europäischen Bürger fragst, ob in Buxtehude Windräder gebaut werden sollen, wird die Mehrheit mit ja stimmen. Es wäre aber vollkommen unrealistisch, für jeden Windpark einmal alle Europäer zu befragen. Dafür hat man doch die gewählten Vertreter.
Genauso der Punkt, dass Bürger oftmals einfach nicht das ganze Bild sehen. Dass John Smith aus Newcastle nicht versteht, dass die EU ihm faktisch einen besseren Lebensstandard beschert, heißt nicht, dass das nicht wahr ist. Wenn du die Leute abstimmen lässt, ob Bier kostenlos sein und Steuern abgeschafft werden sollen, sind wir uns denke ich einig, was das Ergebnis dieser beiden Abstimmungen wäre. Dass das weder möglich noch im Sinne des "greater good" wäre, da sind wir uns denke ich auch einig.
Der Vollständigkeit halber möchte ich dazu sagen, dass ich mit der Art und Weise, wie Politik aktuell gelebt wird, hochgradig unzufrieden bin. Aber Bürger direkt abstimmen lassen wäre tatsächlich eine noch dümmere Idee.