Das gibt das Technipedia dazu her:
Betriebstrategie:
Die Betriebsstrategie stellt sicher, dass der Allradantrieb bedarfsgerecht und energieeffizient betrieben wird. Dabei wird der Traktionsbedarf vorausschauend erkannt und das Antriebsmoment entsprechend umverteilt.
In den meisten Fahrsituationen werden nur die Vorderräder angetrieben. Nur in bestimmten Situationen wird ein Teil des Antriebsmoments auch auf die Hinterräder übertragen. Die Aufteilung des Antriebsmoments zwischen Vorder- und Hinterräder wird von der dynamischen Stabilitäts-Control DSC bestimmt.
Je nach Fahrsituation wird ein Teil des Antriebsmoments auf die Hinterräder übertragen. Das genaue Verhältniss der Momentenverteilung ist abhängig von der Ansteuerung der Lamellenkupplung sowie vom Schlupf der Räder.
Der Allradantrieb wird in folgenden Situationen zugeschaltet, falls keine anderen Kriterien vorliegen, die dies verhindern:
- Fahrgeschwindigkeiten < 20 km/h
- Fahrprogramm SPORT aktiviert
- Dynamische Stabilitäts-Control DSC deaktiviert
- Dynamische Traktions-Control DTC aktiviert
- Untersteuerndes Fahrzeug
- Erhöhte Drehzahldifferenz zwischen Vorder- und Hinterräder
- Große Fahrzeuglängsneigung (z. B. an Steigungen)
- Kick-down-Stellung
Der Allradantrieb wird in folgenden Situationen abgeschaltet, falls keine anderen Kriterien vorliegen, die dies verhindern:
- Fahrgeschwindigkeiten > 180 km/h (MINI R60 ca. 140 km/h)
- Übersteuerndes Fahrzeug
- Großer Lenkeinschlag und Fahrgeschwindigkeiten > 0 km/h
- Starkes Bremsen
ANFAHREN AUF GLEICHEN REIBWERTEN
Beim dynamischen Anfahren mit einem frontgetriebenen Fahrzeug kann es selbst auf trockener Straße zum Durchdrehen der Vorderräder kommen. An einem durchdrehenden Rad kann praktisch keine Kraft auf die Straße übertragen werden, weshalb verschiedene Regeleingriffe erfolgen. Das Motormoment wird reduziert und durch einen Bremseneingriff an einem durchdrehenden Rad wird sichergestellt, dass der Anfahrvorgang letztlich stabil von statten geht. Allerdings wird das volle Antriebsmoments nicht ausgenutzt, weil die daraus resultierende Antriebskraft an den beiden Vorderrädern ihre Kraftschlussgrenze überschreitet.
Mit einem Fahrzeug mit Allradantrieb ist dies nicht der Falll. Hier erkennt die Allradsteuerung anhand des großen Fahrpedalwinkels, dass der Fahrer dynamisch anfahren möchte. Die Allradsteuerung wird dementsprechend die Kupplung im Hinterachsgetriebe vollständig schließen, um auch die restlichen Räder zum Vortrieb zu nutzen. Das Antriebsmoment verteilt sich also entsprechend der Achslastverteilung auf alle 4 Räder. Pro Rad wirkt dann eine kleinere Längskraft, so dass die Kraftschlussgrenze auf trockener Straße meist nicht überschritten wird. Somit sind keine korrigierende Schritte der mitwirkenden Steuergerät nötig und das gesamte Antriebsmoment kann zum Vortrieb genutzt werden. Die Folge: Ein Fahrzeug mit Allradantrieb beschleunigt aus dem Stand heraus schneller, als ein Fahrzeug, das nur an einer Achse angetrieben ist.
ANFAHREN AUF UNTERSCHIEDLICHEN REIBWERTEN
Stehen die Vorderräder einer Achse auf einem Fahrbahnuntergrund mit niedrigem Reibwert (z. B. auf Schnee), so sind die übertragbaren Antriebskräfte sehr gering. Permanente Regeleingriffe sind nötig, um überhaupt losfahren zu können. Allerdings erfolgt das Losfahren nur sehr langsam, denn auch die Regelsystem können den physikalisch vorgegebenen Reibwert nicht erhöhen.
Ein Fahrzeug mit Allradantrieb kommt hier deutlich schneller in Fahrt. Im ersten Moment durchdrehende Räder signalisieren der Allradsteuerung, dass die Räder nur geringe Kräfte übertragen können. Die Allrad-Kupplung wird deshalb, wie im obigen Beispiel, sofort vollständig geschlossen. Damit wird der größtmögliche Teil des Antriebsmoments an die Räder übertragen, die den höheren Reibwert haben.
Überfährt man schließlich mit den Hinterrädern die schneebedeckte Fläche, kann an den Hinterrädern nahezu kein Antriebsmoment mehr abgestützt werden. Die Allrad-Kupplung bleibt zwar weiterhin geschlossen, weshalb die Raddrehzahlen vorn und hinten gleich sind. Das Antriebsmoment wird bei diesen Reibwertverhältnissen jedoch nur über die Vorderräder auf die dort trockene Straße übertragen.
Vorderräder und Hinterräder auf trockener Straße (1):
Kupplung teilweise geschlossen (abhängig von Fahrgeschwindigkeit und Fahrpedalwinkel), Verteilung des Antriebsmoments abhängig von der Kupplungsansteuerung und der AchslastverteilungVorderräder auf trockener Straße, Hinterräder auf Schnee (2):
Kupplung bleibt angesteuert, Vorderräder übertragen 100 % der Antriebskraft, Hinterräder übertragen keine AntriebskraftVorderräder auf Schnee, Hinterräder auf trockener Straße (3):
Kupplung vollständig geschlossen, Vorderräder übertragen sehr kleine Antriebskraft, Hinterräder übertragen den größten Teil der Antriebskraft.
Befinden sich Vorderräder und Hinterräder wieder auf trockener Straße, verteilt sich das Antriebsmoment abhängig von der Ansteuerung der Allrad-Kupplung und der Achslastverteilung wieder auf Vorderräder und Hinterräder.