(...) Breite Spanne an Verbräuchen
Denn die Reichweitenfrage ist für uns in diesem Falle noch zentraler: Denn ein Auto, das ab 32.000 Euro kostet, sollte mehr sein, als nur ein Zahnartzgattinenzweitwagen, um jetzt einmal mehr ein Klischee zu bedienen. Sondern eben auch ein Auto für alle Tage und nicht nur Pendeldistanzen. Das wurde allerdings schon dem i3 zum Verhängnis und verhinderte, neben dem polarisierenden Design, sicher eine weitere Verbreitung. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als wir den Mini Cooper SE übernehmen und vom AC-Ladestecker ziehen, stößt einem der Bordrechner erst einmal vor den Kopf: 164 Kilometer?! Das kann's ja wohl nicht sein, ein Witz! Offiziell gibt BWM für den Mini SE 14,8 bis 16,4 kWh/100 km an. Erste Beruhigung, als wir den vorherigen Durschnittsverbrauch sehen: 19 kWh/100 km?! Wohl viel im Sportmodus unterwegs gewesen, was?
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In Green+ mutiert der Mini zum Öko
Doch zurück zur Startaufstellung: Schnell auf "Green +" gestuft, Klimaanlage ausgeschaltet, schon stellt sich die Reichweitenthematik etwas anders dar. Und nach den ersten eigenen Fahrten, die den Verbrauch im Stadtgezuckel auf 12,1 kWh/100 km drücken, rechnet das System auch halbwegs brauchbare 226 Kilometer hoch. Trotzdem: Das wird knapp mit Waiblingen, über die Autobahn. Und so macht das System auch bereits vor Ulm Meldung, dass es nichts wird, die Strecke in einem Rutsch zu bewältigen. Der Ladeplaner schlägt sogleich diverse Stationen vor, die allerdings später auf dem Weg liegen. Wir gehen trotzdem aus Gewohnheit über die App, Charge Now lotst zuverlässig zum Rasthof Seligweiler.
Und da stehen wir nun - und können nicht anders, als zumindest ein gutes halbes Stündchen Pause zu machen. Gut, das genügt gerade für eine Stulle und einen Kaffee, dann ist der Akku bei Kräften und von 39 Prozent wieder auf 96 Prozent oder absolut 18,42 kWh nachgeladen, an der HPC-Säule von EnBW. Die könnte auch noch schneller als die 50 kW, die der Bordlader des Mini SE erlaubt, aber das geht schon ok. Soll ja auch eine richtige Pause sein ...
Reset an der Säule
Der Rest bis Waiblingen ist dann problemlos absolviert, wobei wir uns die ganze Zeit über mit 110 bis maximal 120 km/h ganz unsportiv betragen. Der Akku mag klein sein, aber mit der wenigen Energie geht der Mini dann maximal um und goutiert den sanften "Gas-Fuß" dann mit 12,6 kWh/100 km auf der Hinfahrt ins allerdings "tiefer gelegene" Waiblingen. Praktischerweise bietet sich gleich gegenüber vom "Daimler"-Werk, dem trefflichen Ziel der Reise, eine DC-Säule der Stadtwerke Waiblingen und Innogy an, die den SE binnen 27 Minuten wieder auf volle Kapazität bringt. Allerdings verweigerte die Säule anfangs den Dienst: Parkzeit überschritten, hieß es. Offenbar hatte sich das System aufgehängt. Gelegenheit für die Probe aufs Exempel: Anruf bei der Innogy-Hotline. Anschlusspunktnummer durchgegeben an die freundliche Dame und schon läuft aus der Ferne ein Reset, an dessen Ende nach ein paar Minuten das Ladelicht auf "grün" schaltet und der Strom fließt.
Quietschgrüne Bilanz: Mit 13,7 kWh/100 km über die Runden
Retour steigt der Verbrauch dann zwar leicht an, aufgrund etwas schärferer Gangart, um sich vor den zahlreichen "Tieffliegern" rechtzeitig in Sicherheit bringen, die nach Feierabend die A8 vom Klimawandel offenbar völlig unbehelligt frequentieren. Aber auch mit 120 km/h auf der Uhr und tendenziellem Zugewinn an Höhe reißt der Mini nicht nach Maxi aus und bleibt im "limettengrünen Bereich", diverse Baustellen wirken da auch Wunder. Ein Päuschen ist aber auch auf dem Rückweg angesagt. Wobei das System ausgerechnet die Station im Angebot hat, die in der Gegenrichtung beim Rasthof Burgau-Ost liegt und einem einen schönen Extra-Ausflug zurück zur Ausfahrt Günzburg beschert. Hätte man doch mal lieber selbst über die App ... Naja, immerhin wieder ein EnBW-HPC-Lader, der flott zur Sache kommt und zudem gut zu bedienen ist und für tolle Transparenz sorgt.
Vorteil EnBW: Transparentes Laden, straightes Preismodell
Und zwar sowohl was die Ladeleistung, -zeit und -menge betrifft, als auch den Preis: Schnellladen immer 49 ct/kWh, ohne Startgebühr. 17,11 kWh sind in 26:44 Minuten gezapft, die Speicher damit von 50 auf 90 Prozent. Das ist wenigstens "straight". Mit einem immerhin 91-km/h-Schnitt und einem Verbrauch 13,7 kWh/100 km schlagen wir an der heimischen SWM-Säule an, wo der Mini im AC-Modus mit maximal 11 kW den Abend über lädt - neuerdings übrigens lobenswerterweise für moderate 37 ct/kWh und ohne Zeitgebühr. OB Dieter Reiter hatte nach zahlreichen Klagen über die üppige Bepreisung interveniert. Leider weniger "transparent": Das winzige Fensterchen gibt den Zählerstand kaum Preis. So viel war es dann aber auch nicht: Der Akku ist ja, wie der Name schon sagt, "MINI". So lernt man das "Eilen und verweilen".
Was bedeutet das?
Eigentlich hat BMW ja recht: Die Leute wollen immer mehr als sie wirklich brauchen. Und im Alltag werden kaum jemals Strecken über 80 Kilometer Länge absolviert. Allerdings könnte man dann die Frage stellen, wozu manche Menschen einen dicken SUV fahren, den sie allenfalls einmal im Jahr bei der Familienfahrt in den Urlaub mit Wohnanhänger wirklich gemäß seiner Kompetenzen auslasten. Doch das nur am Rande. Jedenfalls ist klar: Ein kleiner Akku bedeutet auch einen kleineren CO2-Rucksack, sprich eine bessere Umweltbilanz. Zumal das für einen Stromer relativ leichte Fahrzeug gut mit der wenigen Energie haushaltet. Der "energetisch gelbe" Mini dürfte, abgesehen von den Ledersitzen, also deutlich schneller in den "grünen" Bereich fahren, als die in Seligweiler parkierenden Tesla mit ihren lithiumfressenden Monsterakkus. (...)